Durchgangsheime haben einen besonderen Rang im Um-Erziehungsarchipel des DDR-Ministeriums für Volksbildung bzw. dessen Untergliederungen bei den Räten der Bezirke oder Kreise.

    Der ursprüngliche Charakter als Durchgangsort – für „Aufgegriffene“ auf der Flucht vor unterträglichen Zuständen im Elternhaus oder in einem Heim, aber auch vor der DDR, für „Auffällige“ in Schule und Wohngebiet, Durchgangsort also zwischen Elternhaus und Spezialheim, zwischen kurzfristiger Freiheit und Rückführung, zwischen Heim und Heim anderen Typs (Jugendwerkhof) – hat die beabsichtigte schockartige Wirkung. Das Vorübergehende verliert sich, wenn man die Folgen und Spätfolgen der Tage, Wochen, Monate in diesen Kindergefängnissen betrachtet.

    Die Durchgangsheime in ihrer Gesamtheit sind wesentliche Stationen in sehr, sehr vielen Heimbiografien.

    Das Durchgangsheim Schmiedefeld unterstand der Abteilung Volksbildung beim Rat des Bezirkes Suhl und bestand zwischen dem 1. Februar 1974 und dem 31. Dezember 1987. Unterlagen im Thüringischen Staatsarchiv belegen knapp 1500 Einweisungsvorgänge in das gefängnisähnliche Heim.

    709 Jungen und 773 Mädchen - Mehrfacheinweisungen waren möglich - haben Zeiten zwischen einem Tag und mehreren Monaten in diesem Heim verbracht. Die Ältesten verließen das Heim bei Volljährigkeit, d.h. zum 18. Geburtstag, der Jüngste war bei der Einweisung 7 Jahre alt. Das Gros der Kinder und Jugendlichen war zwischen 13 und 17 Jahren alt.

    Sowohl die Arrest- bzw. Isolierbücher als auch die Dienstbücher gestatten tiefe Einblicke in die Sprache und damit in das Selbstverständnis der Einrichtung.