Details zu den einzelnen Bänden

     

     „edition H“

    HEIMERZIEHUNG IN DER DDR IN SELBSTZEUGNISSEN

    herausgegeben von

    Manfred May

    Suhler Straße 27

    98554 Benshausen

    036843 70303

    31ma.yam@gmail.com

 

 

 

 Band 1 - ICH; GISELA SCHUBERT

ISBN: 978-3-9819919-0-1 12.90 €

Zunächst in Bildern, die Unbekümmertheit und Regellosigkeit von Kinderzeich-nungen mit der Wucht wieder und wieder hereinbrechender traumatischer Erinnerungen vereinen, später in Texten, die eine Sprache aus dem Innenraum des Traumas wie selbstverständlich finden, hat Gisela Schubert, wie sie sich jetzt (wieder) nennt, ihren Ausdruck gefunden, Äußerungen, die aufwühlen und verstören.

Es sind Zeitzeugnisse und Einblicke in das Leben von Menschen wie Gisela Schubert, die so eindringlich deutlich machen, was geschieht, wenn die Würde eines Menschen – und ganz besonders die eines Kindes – verletzt wurde.

Biographien wie diese sind für mich – und ich glaube das auch im Namen vieler Kolleginnen die sich für die Verwirklichung der Kinderrechte stark machen sagen zu können – ein regelrechter Antriebsmotor. Sie machen deutlich, warum es so wichtig ist, dass Staaten die Rechte von Kindern als Subjekte mit ihrer ganzen Eigenheit achten, respektieren und schützen: …

Mein ausdrücklicher Dank gilt Frau Schubert und vielen anderen ehemaligen Heimkindern, die ich in meinen Arbeitszusammenhängen kennenlernen durfte. Mit Ihrem Mut, über sich, Ihre Gefühle und Ihre Geschichte zu berichten, helfen Sie, gute Lösungen für heute entwickeln zu können, damit künftig mehr Kinder in der Gewissheit aufwachsen können, von niemandem mehr zum Objekt gemacht werden zu dürfen.

Danke! aus dem Vorwort von Claudia Kittel

Claudia Kittel, Dipl. Päd., leitet seit 2015 die Monitoring-Stelle UN-Kinder-rechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte und war zuvor Sprecherin der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e.V. sowie viele Jahre wissenschaftliche Referentin der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe e.V. u.a. als Leitung der dort angesiedelten Geschäftsstelle zur Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR.

Oft ist es wenn der Tag Kein Ente hat, und hat

er ein Ende, und die Dunkelheit kommt, die Anst,

zu schlafen, weil ein die unendlichkeit keine

Ruhe gibt, weil mann dann immer an das denk

was hast Du Falsch gemacht?

[Orthografie und Zeileneinteilung so im Original - M.M]

„Wenn der Tag kein Ende hat...“

Wenn die Erinnerung kein Ende hat…

Der erste Besuch bei G.B. war im Mai 2011. Eine Kollegin begleitete mich; an G.s Seite waren ihr Ehemann, eine Freundin. Sie hatte den Besuch gewünscht. Eruptiv kam es aus ihr; die ganze Bandbreite ihrer Themen war angedeutet, ausgespuckt, ausgesprochen nicht, noch längst nicht.

Weitere Besuche folgten, unterbrochen von Pausen, von zum Teil langen, sehr langen Pausen – bis hin zu einer nun über mehrere Jahre gehenden intensiven Zusammenarbeit.

Es ist der erste Band der edition H – ganz selbstverständlich.

Er ist gewissermaßen der Maßstab, an dem sich die folgenden Veröffentlichungen messen lassen sollen, fernab der bekannten Erinnerungsliteratur, der bekannten Betroffenheitsmalerei.

(aus dem Vorwort des Herausgebers )

 

Band 2 – WIE GEHT ES DIR, MIR GEHT ES GUT

ISBN: 978-3-9819919-1-8 14.90 €

62 Briefe sind erhalten geblieben, die Alexander Matzke an seine Mutter Gisela schrieb. Einige wenige aus einer durch die Erkrankung der Mutter bedingten Trennung, die anderen aus dem Durchgangsheim Schmiedefeld, aus dem Spezial-Kinderheim Wenigenlupnitz und aus dem Jugendwerkhof Wittenberg.

Alexander Matzke lebte bis zu seinem Tod im Sommer 2018 als Selbständiger in der Schweiz; Gisela Matzke – früher Fernseh- und Rundfunkjournalistin, bis heute Moderatorin, Autorin – lebt in Thüringen. Sie hat den Briefen Alexanders fünf literarische Miniaturen beigegeben, in denen sie Erlebnisse aus der durch die Jugendhilfe angeordneten Trennung von Sohn und Mutter berichtet.

Ein Stapel Briefe – Briefe eines Jungen an seine Mutter. Der Junge ist am Beginn 14 Jahre alt; er wird knapp 18 sein, wenn er entlassen wird.

Alexander Matzke schreibt in einem seiner Briefe aus dem Durchgangsheim Schmiedefeld, der ersten Station in seiner Heimbiografie, wo er zweieinhalb Monate verbrachte: „Schreiben darf [ich] nur am Wochenende, 3 Briefe.“

Über das Lesen der Briefe von „draußen“ wissen wir so gut wie nichts. Der Besitz persönlicher Dinge war auf ein äußerstes Minimum beschränkt. Briefe der Mütter, der Geschwister, der Freundin oder des Freundes ins Heim sind in den meisten Fällen nicht erhalten. In den 530 archivierten „Übergabeprotokollen“, die beim Wechsel aus dem Durchgangsheim Schmiedefeld in ein anderes Heim angefertigt wurden, und die auf der Formularrückseite armselig geringe private Habseligkeiten auflisteten, findet sich in ganzen neun Fällen die Notiz über aufgehobene Briefe. Auf dem Übergabeprotokoll für Alexander, angefertigt bevor er von Schmiedefeld nach Wenigenlupnitz in das dortige Spezial-Kinderheim, auf „Transport“ geschickt wurde, ist kein Brief erwähnt.

Im Dienstbuch des Durchgangsheimes, ist die Schreibsituation vom Aufsicht führenden Erzieher protokolliert:

[Sonntag] 17.02.85 Frühdienst Koll. M. 7 – 14:00 Uhr

8:00 Wecken – Morgentoilette – Frühstück

Post:

D. an Fam. R. [Eltern], S.

S. an Fam. S. [Eltern], S.

A. an C. [Mutter], I.

K. an L. (Mutter], M.

[Unterschrift] M.

übernommen [Unterschrift] 14:00 Uhr

17.02.85 Spätdienst 14:00 – 21-30 Koll. M.

A. und D. mußten ihre Briefe noch einmal schreiben, da sie Zahleninfor-mationen über das Heim hineingeschrieben haben und A.s Brief sehr anmaßend war. (Liegt ohne Kuvert auf dem Schreibtisch)…

Im Gespräch am 11. Mai 2017 sagt mir Gisela Matzke: „Niemand hat sich für mein Kind interessiert, als Alexander weg war. Niemand hat nach ihm gefragt.“ - diese unheimliche Übereinkunft derjenigen, die froh waren, dass der Störenfried, „weg war“.

62 Briefe: beim Lesen müssen wir die Situation, in der die Briefe entstanden sind, im Kopf haben. Wir müssen zwischen den Zeilen lesen. Wir müssen uns durch die Einförmigkeit quälen, Wiederholungen als Indiz für Sprachlosigkeit hinnehmen, um die Verarmung der Kommunikation zwischen Sohn und Mutter auch sinnlich wenigstens ansatzweise erfassen zu können.

aus dem Vorwort des Herausgebers

 

Band 3: DA OBEN, AUF DIESER BURG - Der Brief der Birgit Eisenacher geb. Roth

ISBN: 978-3-9819919-2-5 15.70 €

123 handgeschriebene Seiten sind es – vorläufig - geworden. E.B. wollte der Stadtverwaltung Heldburg mitteilen, was sie als Kind im Sonderschulheim Veste Heldburg (heute Deutsches Burgenzentrum) erdulden musste. Begonnen hat sie den Brief 2016, als in den Medien, die ausführlich über die Eröffnung des Burgenzentrums nach aufwändiger Restaurierung der Burg berichteten, nahezu stereotyp die Rede davon war, dass man über die Zeit als DDR-Kinderheim bzw. als DDR-Sonderschulheim so gut wie nichts wisse. B. schrieb sich ihr Wissen von der Seele, mehrere Jahre lang. Den Brief jedoch schickte sie bisher nicht ab.

 

2019/20 erscheinen die folgenden Titel:

Sonderreihe Materialien

Materialien I – KONTROLLE – KEINE VORKOMMNISSE

Das Arrestbuch des Durchgangsheimes Schmiedefeld

Materialien II – KONTROLLIERT - DELITEXBEHANDELT – BELEHRT

Das Isolierbuch des Durchgangsheimes Schmiedefeld

Materialien III – SAHEN WIR: „DER WEG DER ARBEITERKLASSE INS PARADIES“

Die Dienstbücher des Durchgangsheimes Schmiedefeld

weitere Bände, u.a. zum Jugendwerkhof Römhild, sind in Planung.

Alle Publikationen können direkt beim Herausgeber bestellt werden.

Manfred May – Suhler Straße 27 – 98554 Benshausen